Der Herr ist mein Hirte: Eine Andacht und Auslegung zu Psalm 23
„Der HERR ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln…“: Mit diesem Bekenntnis beginnt Psalm 23, der wohl bekannteste Psalm der Bibel. Seit Jahrtausenden finden Menschen auf der ganzen Welt Trost in diesen Worten. Was macht diesen Psalm so besonders, woher kommt die Faszination für dieses jahrtausendealte Gebet? Ein paar Gedanken dazu – doch zunächst Psalm 23 im Wortlaut nach der Übersetzung der Schlachter 2000.
Text Psalm 23
1 Ein Psalm Davids.
Der HERR ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
2 Er weidet mich auf grünen Auen und führt mich zu stillen Wassern.
3 Er erquickt meine Seele; er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
4 Und wenn ich auch wanderte durchs Tal der Todesschatten, so fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, die trösten mich.
5 Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde; du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, mein Becher fließt über.
6 Nur Güte und Gnade werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Haus des HERRN immerdar.

Nicht ein Hirte, sondern mein Hirte
Inspiriert von seinen eigenen Erfahrungen als Hirte, schreibt David, der spätere König Israels, dieses Gebet. Er beginnt nicht mit seiner Lebenssituation, sondern richtet sich an Gott aus. Bevor von grünen Auen, stillen Wassern oder dunklen Tälern die Rede ist, steht dieses eine Bekenntnis: Der HERR ist mein Hirte. Darin liegt ein Schlüssel für den ganzen Psalm. Der HERR ist nicht nur ein Hirte, sondern mein Hirte. David weiß um den, der ihn führt. Dieses Gottvertrauen leuchtet durch jede Zeile hindurch.
Der Hirte führt
Der Hirte weiß, was die Herde braucht. Er spürt im trockenen und unwirtlichen Umland der judäischen Wüste grüne Wiesen auf. Er weiß, wo es frisches Wasser für seine Schafe gibt. Und er kennt auch die gefährlichen Wege durch Wadis, die ausgetrockneten Flussbetten mit steilen Felswänden, die bei plötzlich einsetzendem Regen in kurzer Zeit zu reißenden Strömen werden können. Seine Werkzeuge helfen ihm dabei, die Herde sicher zu führen: Mit dem Stock kann er gegen wilde Tiere kämpfen und mit dem Stab Tiere an steilen Hängen stützen.
David nimmt das Bild des Hirten und macht daraus ein persönliches Glaubensbekenntnis: Gott hat mich im Blick. Er sorgt für mich. Ich darf mich seiner Führung anvertrauen. Darum kann David sagen: „Mir wird nichts mangeln.“ Seine Worte lassen Bilder in unseren Köpfen entstehen. Frisches Wasser, grüne Weiden, keinen Mangel leiden, ein Platz zum Ausruhen – wer sehnt sich nicht danach? Vielleicht ist der Psalm deshalb so beliebt.
Doch auch David kennt, wie jeder Mensch, ob gläubig oder nicht, Mangel, Krankheit, Sorgen und Verlust. Im Psalm verschwindet das Grün, der Weg wird dunkel. David spricht vom „Tal der Todesschatten“. Er kennt also nicht nur stille Wasser. Er kennt auch Schluchten, die Angst machen. David ist ehrlich. Und darin liegt noch eine größere Anziehung als in den wunderschönen Bildern von grünen Auen, an denen die Seele erquickt wird.
Im dunklen Tal wird aus dem „Er“ ein „Du“
Ausgerechnet im Tal, der Schlucht des Todesschattens, wird die Beziehung zu Gott persönlicher. Zunächst heißt es: ‚Er führt mich.‘ Im finsteren Tal sagt David: ‚Du bist bei mir.‘ Aus dem Reden über Gott wird ein Reden mit Gott. Vielleicht liegt hier deshalb das Herzstück des ganzen Psalms. Für David gehört das Tal dazu, er nennt keine Erklärung für das Leid. Er erfährt auch nicht, wie lange der Weg hindurch dauern wird. Aber er weiß: Ich bin hier nicht allein.
Das macht Psalm 23 zu einem so starken Trosttext. Er redet Leid nicht klein. Er verspricht auch keinen schnellen Ausgang. Stattdessen betont er Gottes Gegenwart mitten in der Dunkelheit.
Unsere kostenlose BibelCard mit Psalm 23,1-4 greift genau diese Verse auf, die vom Vertrauen auf den Hirten und seiner Nähe im dunklen Tal erzählen. Solche Worte können helfen, sich im Alltag immer wieder an Gottes Gegenwart erinnern zu lassen.
Das Ziel: Gottes Gegenwart
In Vers 5 verändert sich das Bild: Gott, der Hirte, wird zu einem Gastgeber. Er deckt einen Tisch, salbt das Haupt seines Gastes und füllt den Becher. Er heißt ihn liebevoll willkommen, tut ihm Gutes, beschenkt ihn großzügig und gewährt Schutz vor seinen Feinden. Am Ende des Psalms schaut David auf seinen Weg zurück und zugleich nach vorn. Güte und Gnade werden ihn begleiten. Sein Ziel ist es, für immer im Haus des Herrn zu bleiben.
Jesus: der gute Hirte
Für Christen bekommt das Hirtenbild, das häufig im Alten Testament vorkommt, durch Jesus eine besondere Tiefe. Jesus greift das vertraute Bild des Hirten auf und verbindet es mit seiner eigenen Person. Im Johannesevangelium 10,11 sagt Jesus von sich: „Ich bin der gute Hirte.“ Der gute Hirte kennt seine Schafe, begleitet sie und: „Ein guter Hirte ist bereit, sein Leben für die Schafe herzugeben.“ (Johannes 10,11b; NGÜ).
Genau das hat Jesus getan. Darum lässt sich Psalm 23 auch als Gebet des Vertrauens auf Christus lesen: Du kennst meinen Weg. Du gehst mit, auch durchs Tal. Auch dort, wo ich selbst nicht weiterweiß, bist du da. Du selbst bist am Kreuz durch das dunkle Tal der Todessschatten gegangen. Das tröstet.
Psalm 23 beten und auswendiglernen
Vielleicht möchten Sie den Psalm in den nächsten Tagen nicht nur lesen, sondern mit ihm beten.
Nehmen Sie jeden Tag einen Vers. Lesen Sie ihn langsam zwei- oder dreimal. Bleiben Sie bei einem Wort hängen, das Sie anspricht. Sagen Sie Gott, was dieses Wort in Ihnen auslöst.
Psalm 23 eignet sich auch gut zum Auswendiglernen. Unser BIBEL BY HEART „Psalmen im Fokus“ enthält Psalm 23 in der Luther 2017-Übersetzung zusammen mit weiteren Psalmen. Die BIBEL BY HEART-Karten lassen sich an Türklinken, Fenstergriffen oder Schrankknäufen aufhängen. Wer die Worte regelmäßig vor Augen hat, kann sie nach und nach im Herzen behalten.
Und wenn Sie einem anderen Menschen diese Zusage mitgeben möchten, gibt es Psalm 23 auch als BibelCard und als Grußkarte mit Psalm 23,1.
Häufige Fragen zu Psalm 23
Was ist die zentrale Aussage von Psalm 23?
Psalm 23 beschreibt das Vertrauen darauf, dass Gott wie ein guter Hirte führt, versorgt und auch auf schweren Wegen nahe bleibt. Er ist da.
Was ist das Besondere an Psalm 23?
Psalm 23 beschreibt mit wenigen Bildern einen ganzen Lebensweg. Er beginnt beim Hirten, führt durch ein dunkles Tal und endet in der bleibenden Gemeinschaft mit Gott.
Was bedeutet das finstere Tal in Psalm 23?
Das finstere Tal steht für Erfahrungen von Angst, Gefahr und tiefer Unsicherheit. David weiß, dass solche Wege nicht ausbleiben. Sein Trost liegt darin, dass Gott auch dort gegenwärtig ist.