Frauenpower: Gemeindebau in den Barrios

„Gemeinsam sind wir stark“

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Interview mit Marta, Maria und Erika

Marta Cadavid, Maria Esneda und Erika Loaiza sieht man nicht an, dass sie sich vor allem in den Armenvierteln von Medellin bewegen. Und doch haben sie eine Hauskirchenbewegung aufgebaut, die das Leben Vieler in den ‚Barrios‘ verändert. Im Interview erzählen sie, wie es dazu kam und auf welche Widerstände sie trafen.

Marta Cadavid (55)
Maria Esneda (45)
Erika Loaiza (34)

Marta, du kamst vor 14 Jahren nach San Cristobal, am Rande der Millionenstadt Medellin. Damals hatte die Heimatstadt des berüchtigten Drogen-Barons Pablo Escobar den Ruf, die tödlichste Stadt mit der höchsten Mordrate zu sein. Wie fühlt man sich, wenn man im Dunstkreis einer solchen Stadt beginnt, Gemeinde zu bauen?

Marta: Ganz ehrlich? Ich habe anfangs viel geweint. Ich bin eine Frau, noch dazu Single. Und ich war allein und hatte Angst. Um mein Leben, auch vor dem Scheitern. Aber ich hatte Gottes Ruf.

Was waren die ersten Schritte in deinen Dienst?

Marta: Gott half mir, indem er mir jemanden zur Seite stellte: Maria Esneda. Sie begleitete mich als ich anfing, durch die Straßen zu gehen. Zwei Stunden am Tag durchbeteten wir das Armenviertel – Block für Block. So gewannen wir einen Blick für die Nöte. Es gibt Ecken, die selbst die Polizei nicht betritt, weil Gangs dort die Kontrolle haben. Da herrschen Hexerei, Gewalt und Drogen.

Und wie konntest du dich da bewegen?

Marta: Gott schenkte, dass ein Mann durch meine Worte berührt wurde und mich nun schützt, wenn ich unterwegs bin – mein ‚Schutzengel‘, wenn man so will.

Wie sahen eure ersten Erfolge aus?

Maria: Am Anfang war es sehr trostlos. Niemand folgte unserer Einladung. Eines Abends standen neun Kinder vor der Tür und wollten etwas über Jesus wissen. Wir hatten nichts für Kinder und erklärten ihnen das Evangelium anhand des Philippus-Bibelkurs-Heftes. Das klappte unerwartet gut. An diesem Abend begann unsere Gemeindearbeit.

Erika: Oft handelt Gott ja anders als wir es planen. Wir hatten anfangs nur Erwachsene im Blick. Aber die schienen nicht zu reagieren. Also ließen wir uns auf die Kinder ein und luden sie zu „Samstags mit Jesus“ ein, eine Art Kinderstunde. Der Dienst an Erwachsenen begann erst fünf Jahre später – über die Kinder – als Elternarbeit. Marta half mir da und lernte mich an. Und 2016 gingen wir zum Gemeindegründer-Seminar der Bibel Liga. Das war entscheidend für die Praxis.

Worauf achtet ihr besonders?

Maria: Wir konzentrieren uns auf Gottes Wort. Wir appellieren weniger an Gefühle, die schnell vergehen. Deshalb lieben wir das Philippus-Programm. Die Einheiten und Kurshefte bauen sehr gut aufeinander auf. Dadurch reifen die Neubekehrten zu Jünger, für die die Bibel der Maßstab ist. Wer so lernt, geht nicht gleich wieder, wenn der erste Reiz des Neuen nachlässt. Marta: Als wir mit dem Bibelkurs anfingen, weckte das rasch den Wunsch, weitere Kreise zu gründen. Und im Gemeindegründer-Seminar lernten wir, wie aus Teilnehmern selbst Kleingruppenleiter und schließlich sogar Gemeindegründer werden können.

Gibt es schwierige Umstände für die Gemeindearbeit?

Erika: Ja, Armut ist ein Problem. Die Familien haben durchschnittlich vier Kinder und sind sehr arm. Deswegen hat das Auskommen eine hohe Priorität. Viele können nicht kommen, weil sie arbeiten müssen. Oder, weil sie einfach zu müde sind.

Und wie wuchs dann aus der anfänglichen Arbeit unter Kindern die erste Gemeinde?

Marta: Wir luden alle Eltern ein, die ihre Kinder zum „Samstag mit Jesus“ geschickt hatten. Zu unserer Überraschung kamen 85 Personen. Der Raum war völlig überfüllt und wir spürten eine Begeisterung. Kurz danach konnten wir den ersten Bibelkurs beginnen und noch im gleichen Jahr startete unsere Hauskirche. Sie hat heute acht Kleingruppen. Zwei reife Leiter stehen mir zur Seite und natürlich Maria. Das ist unsere große Stärke in Medellin: Wir stützen und ergänzen uns. Wir lernen von- und aneinander. Wenn ich mich heute umschaue, bin ich umgeben von starken Frauen und Männern, die meine Vision teilen. Gott hat Großes getan – und tut es noch.

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