Reisetagebuch

Albanien-Blog

Anders als erwartet: Erste Eindrücke
12.07.2018 Von Gegensätzen und von Religion

Sheshi Avni Rustemi, ein Platz im Zentrum von TiranaSheshi Avni Rustemi, ein Platz im Zentrum von Tirana

Da Albanien mehrheitlich muslimisch ist, werden uns die nächsten Tage häufig an Minaretten vorbeiführen. Dazu erschallt der Ruf des Muezzin fünfmal am Tag. Doch weite Gewänder oder Kopftücher, die man aus manch anderem muslimischen Land kennt, sucht man hier vergeblich. Viele Albaner gehören zu den ‚Bektaschi‘, einem islamisch-alevitischen Derwisch-Orden. Die Bektaschi folgen einer anderen religiösen Praxis als die islamische Orthodoxie. Ihr Glaubensleben ist eher kontemplativ und enthält Musik, Gesang und Tanz. An den zwei Heiligtümern in Albanien werden einmal im Jahr Lämmer ohne Fehler geopfert, um ein gutes Leben zu erbitten.

Bektaschi-Heiligtum in Kruja

Auch Perparim, der Leiter der albanischen Bibel Liga und Pastor Erion, ein Mitarbeiter, wuchsen als Bektaschi auf. Heute sind beide hingegebene Nachfolger Christi. Anfeindungen ihres islamisch-alevitischen Umfelds haben sie nicht erlebt: „Anders als muslimische Gläubige arabischer Prägung sehen sie unseren Glauben einfach als einen anderen Zugang zu Gott“, erklärt Erion. In dieser Hinsicht kann die Bibel Liga in Albanien auch weitestgehend frei ihre Arbeit tun. Allerdings gibt es Moscheen in Tirana und auf dem Land, die inzwischen einen feindlichen Ton anschlagen.

Die Stadt Tirana, in der die Bibel Liga beheimatet ist, ist voll von Autos, Menschen, Geräuschen und Gegensätzen. Heruntergekommene Häuser stehen neben schicken Neubauten, bunte Fassaden leuchten neben grauen rissigen Wänden und der glasüberdachte Marktplatz wird über Seitenstraßen mit Schlaglöchern erreicht. Überall ist die albanische Flagge zu sehen, die den Menschen hier viel bedeutet. Beim Spaziergang haben wir auch die Gelegenheit, genauer hinzuhören: Albanisch ist eine interessante Sprache mit vielen „ö“ und englisch anmutenden „r“ und „th“.

Perparim und Alida

Abends treffen wir Perparim und Alida, eine weitere Mitarbeiterin vor Ort und lassen uns erklären, was in Albanien gerne gegessen wird: Lamm zum Beispiel und viel Gemüse. Voller erster Eindrücke und Gedanken ziehen wir uns schließlich in unsere Unterkunft zurück und hören beim Einschlafen noch ein letztes Mal den Muezzin.

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