Reisetagebuch

Madagaskar-Blog

Auf den Spuren von Lukas 10
29.04.2018 Tag 3 in Madagaskar

Interview mit einem ehrenamtlichen Bibel Liga-Regionalleiter

Alimanjaka Ramarson ist 43 Jahre alt, verheiratet mit Dorothy und Vater von 6 Kindern. Er lebt mit seiner Familie in Ambahibo, 210 km nordöstlich der Hauptstadt Antananarivo. Neben seiner Aufgabe als Pastor ist er auch noch Gemeindegründer, Regionalleiter der Bibel Liga und der Evangelischen Allianz, Schweinezüchter und stolzer Besitzer eines alten Motorrads. Auf einer holprigen Autofahrt führte Reinhard Knödler mit ihm ein Interview.

Alimanjaka, wie bist du als Teenager aufgewachsen?

Als ich 10 Jahre alt war, trennten sich meine Eltern. Mein Vater war ein gewalttätiger Alkoholiker. Fünf Jahre später habe ich die Schule abgebrochen. Ich hing schon früh mit anderen zwielichtigen Gestalten in Nachtclubs herum.  Um mir Alkohol und Zigaretten kaufen zu können, wurde ich zum Dieb. Bald bemerkten auch meine Eltern, dass ich sie mehrfach bestohlen hatte und warfen mich beide aus ihren Hütten. Mit 16 war ich obdachlos. Mein Leben spielte sich nun hauptsächlich auf dem Marktplatz ab. Dort schlief ich auch.

Wie kam dann die Wende in dein Leben?

Kurz vor meinem 17. Geburtstag fragte mich Bonifacy, ein Restaurantbesitzer,  ob ich in seiner Küche mitarbeiten und bei ihm wohnen wolle. Bedingung war allerdings, dass ich jeden Sonntag zu seiner protestantischen Gemeinde gehen sollte. Das fand ich anfangs nicht attraktiv, doch ich mochte Bonifacy und war insgesamt froh, wieder eine Bleibe zu haben. Nach einigen Monaten hatte ich in der Gemeinde eine einschneidende Gottesbegegnung. Es war furchterregend und schön zugleich. Mir wurde schlagartig bewusst, dass ich ein bedürftiger Sünder bin. Ich weinte hemmungslos. Gleichzeitig stand die liebevolle Einladung Jesu, ihm nachzufolgen,  so deutlich im Raum, dass ich ihm noch während des Gottesdienstes mein Leben anvertraute.

Wie ging es nach deiner Hinwendung zu Jesus weiter?

Jesus hat mir mit der Wiedergeburt einen großen Hunger nach Lehre und Unterweisung geschenkt. Ich war bei jedem Gemeindetreffen dabei und studierte fleißig in seinem Wort. Nach 6 Monaten des Lernens und Beobachtens fühlte ich mich befähigt, selber das Evangelium weiterzugeben. Wenige Monate danach wurde ich Jugendleiter in unserer Gemeinde. Vier Jahre später zog ich nach Antananarivo. Dort nahm mich Pastor Banja unter seine Fittiche, förderte mich als Leiter, half mir eine Frau zu finden und sandte mich mit 23 Jahren in meinen jetzigen Wohnort, um dort eine vakante Pastorenstelle zu übernehmen.

Heute predigst du eher selten in deiner eigenen Gemeinde. Warum?

Gott hat es mir ermöglicht, mit einem Team von Evangelisten 60 neue Gemeinden zu gründen. Diese besuche ich in regelmäßigen Abständen, bilde neue Evangelisten aus und begleite ortsansässige „Personen des Friedens“.

Was sind „Personen des Friedens“?

Das Modell haben wir aus Lukas 10 übernommen. Dort spricht Jesus von „Personen des Friedens“. Es sind Menschen, die uns in ihrem Dorf willkommen heißen und uns für den Anfang beherbergen. Vorzugsweise handelt es sich um Personen, die im Dorf gut bekannt sind, einen guten Ruf haben und gegenüber dem Evangelium aufgeschlossen sind. Unsere Evangelisten starten ihre Arbeit in den Zielgebieten immer mit der Suche nach „Personen des Friedens“. In ihrem Haus bieten wir dann auch einen Grundkurs der Bibel Liga an.

Was sind Herausforderungen bei der Gemeindegründung?

Die Ernte ist reif und wir haben zu wenig Arbeiter. Es kommt immer wieder vor, dass wir „Personen des Friedens“ finden, die ein großes Herz für das Evangelium haben, aber als Analphabeten häufig mit der Leitung einer Gruppe überfordert sind. Für mich sind die schlechten Straßenverhältnisse und die Dörfer, die nur über stundenlange Fußmärsche erreichbar sind,  sehr beschwerlich. Aber wir halten an unserem Auftrag fest, auch wenn er mit Mühen verbunden ist. Was gibt es Besseres, als im Dienste des Königs der Könige zu stehen!

 

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