Reisetagebuch

Mosambik-Blog

Ein Blick in die Geschichte von Mosambik
22.02.2016 Vor der Reise nach Mosambik

Wenige Tage vor unserer Reise habe ich nochmals einen Blick auf die Geschichte Mosambiks geworfen. Hier ein kurzer Streifzug für alle Interessierten.

Mosambik war über 470 Jahre eine portugiesische Kolonie. In Portugal herrschte seit 1926 eine Militärjunta, die sehr hart gegen Unabhängigkeitsbestrebungen in Mosambik vorging.

1962 begann die Freiheitsbewegung FRELIMO mit Ihrem Widerstandskampf gegen die Kolonialherren. Nach über 10 Jahren blutiger Auseinandersetzung endete der Krieg in Mosambik indirekt durch das Abdanken des portugiesischen Diktators Caetano in Lissabon. 1975 wurde Mosambik eine unabhängige Volksrepublik und Samora Machel, der Führer der marxistischen Freiheitsbewegung FRELIMO der erste Staatspräsident. Unter ihm war Mosambik ein sozialistischen Einparteienstaat. Schon bald begann die systematische Verfolgung von Christen. Tausende Gemeinden wurden geschlossen, beschlagnahmt oder einfach niedergebrannt. Missionare wurden ausgewiesen oder verschwanden in Konzentrationslagern. Die Weitergabe des Evangeliums war verboten und viele Bibeln wurden verbrannt.

In den Achtzigerjahren schrieb Patrick Johnstone im Gebets-Handbuch „Operation World“, Mosambik sei in der südlichen Hemisphäre das vom Evangelium am wenigsten erreichte Land. Für 1.000 Menschen gäbe es gerade einmal 1 Bibel. Seit 1977 tobte auch ein Bürgerkrieg zwischen den Anhängern der FRELIMO und der militärischen Widerstandsbewegung RENAMO, die von Rhodesien und Südafrika massiv unterstützt wurden. Der Bürgerkrieg kostete durch Kämpfe und Hungerkatastrophen bis zu 900.000 Menschenleben. Über fünf Millionen Zivilisten wurden vertrieben und zahlreiche Menschen durch Landminen verstümmelt, die auch heute noch Opfer unter der Zivilbevölkerung fordern.

Aber dann geschah 1989 etwas Überraschendes: Die herrschende FRELIMO-Regierung legt offiziell den Marxismus als Staatsideologie ab. Die im folgenden Jahr aufgestellte Verfassung garantierte freie Wahlen in einem Mehrparteiensystem und die freie Marktwirtschaft. 1992 unterzeichnen die Bürgerkriegsparteien offiziell einen Friedensvertrag. Die Regierung gab die beschlagnahmten Kirchengebäude an die Gemeinden zurück, Missionare durften wieder ins Land einreisen und die Mosambikaner konnten frei ihre Religion ausüben.

Mosambik öffnete sich wieder für das Evangelium und die protestantischen Gemeinden erleben seither ein rasantes Wachstum. 1975 gab es in Mosambik ungefähr 3% Protestanten, heute sind es über 27%. Leider konnte die Ausbildung der Gemeindeleiter mit dem enormen Gemeindewachstum nicht Schritt halten. Es wird geschätzt, dass mehr als 50% aller Gemeindeleiter kaum oder keine Schulung erhalten haben.

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