Reisetagebuch

Sambia-Blog

Pastor? Niemals!
05.05.2021 Tag 8 in Sambia

Interview mit Patience Kasweka, einem der Leiter der sambischen Bibel Liga

Patience Kasweka lebt mit seiner Frau, seinen beiden Kindern und drei Waisenkindern in Lusaka. Patience ist studierter Sozialarbeiter und war einige Jahre bei einer staatlichen Organisation beschäftigt, die junge Straftäter vor Gericht vertritt. Nach weiteren berufsbegleitenden Studiengängen in Kommunikation und Theologie arbeitete er als Reporter bei einem Fernsehsender. 2019 wurde Patience gemeinsam mit Lizzy Nakazwe in die Leitung der sambischen Bibel Liga berufen.

Lizzy Nakazwe und Patience Kasweka

Wie bist du aufgewachsen und wie hast du zum Glauben gefunden?

Ich bin im Nordwesten Sambias aufgewachsen. Mein Vater war Prediger bei den Methodisten und wir waren sehr arm. Deshalb lebte ich einige Jahre bei meinem Onkel. Er schlug mich und seine Kinder, wenn wir nicht in die Kirche gingen. Christlicher Glaube war für mich deswegen negativ belegt. Ich wollte auf keinen Fall Pastor werden. Mit 20 besuchte ich nach einer längeren Pause wieder einmal einen Gottesdienst. Da habe ich Gott und seine unmittelbare Gegenwart erlebt. Ich vernahm seine Stimme mit dem Auftrag, ihm zu dienen und Pastor zu werden.

Was hat sich dann verändert?

Ich ließ mich nicht mehr durch negative Erfahrungen abhalten, Jesus nachzufolgen. Ich wusste ja, dass mir Jesus die Weitergabe des Evangeliums anvertraut hat. Mit dem sambischen Bibellesebund startete ich evangelistische Einsätze an Schulen und ein paar Jahre später ging ich auch mit Every Home for Christ (EHC) in die Dörfer. Über EHC habe ich die Bibelstudienkurse der Bibel Liga kennengelernt.

Was sind die aktuellen Schwerpunkte deiner Arbeit?

Ich organisiere und leite Schulungen für Bibelstudiengruppen, Bibel-ABC-Kurse (Alphabetisierung) und Gemeindegründer in ganz Sambia und begleite und überprüfe deren Wachstumsschritte. Zusätzlich stelle ich unsere Arbeit Gemeindebünden und einzelnen Gemeinden vor. Wir sagen, was sie von uns erwarten können, aber auch, was wir von ihnen erwarten. Ich freue mich daran, nun noch stärker mit Predigtdiensten den Ruf in die Nachfolge Jesu und das Leben mit Gottes Wort thematisieren zu können.

Mit welchen Bibelworten ermutigst Du sambische Christen Gottes Wort zu studieren?

„Wohl dem, der … Lust hat am Gesetz des Herrn und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!“ (Psalm 1,2 - LU) und „Lass das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem, was darin geschrieben steht.“ (Josua 1,8 – LU)

Mit welchen Partnern arbeitet ihr in Sambia zusammen?

Priorität haben protestantische Gemeinden, denen der Missionsauftrag und das gemeinschaftliche Lesen von Gottes Wort wichtig ist. Aber wir arbeiten auch mit Organisationen wie World Vision, EHC, Prison Fellowship oder Living Water International (LWI) zusammen. LWI beispielsweise baut und saniert Brunnen. Sie sprechen aber mit ihren Projektpartnern auch über die Weitergabe des “lebendigen Wassers“ und empfehlen unser Bibelstudienmaterial. Dann beginnt unsere Arbeit.

Warum ist für ein Land mit ca. 75% Protestanten die Arbeit der Bibel Liga wichtig?

Bei uns sind Bibeln Mangelware. Nach Schätzungen haben nur knapp 35% der Christen in Sambia eine Bibel. Eine Kultur der allzu starken Abhängigkeit vom Leiter hat zu diesem Mangel mit beigetragen. Der Pastor arbeitet häufig als „one-man-show“. Er ist Prediger, Seelsorger, Evangelist und Prophet in einem. In einigen Gemeinden ist auch Religionsvermischung ein Problem. Durch Bibelstudiengruppen helfen wir den Teilnehmern zu erkennen, dass man nicht Jesus und anderen Göttern oder Geistern dienen kann. Eine weitere Hürde ist der hohe Preis einer Bibel im Verhältnis zum sehr niedrigen Einkommen der meisten Sambier.

Wo siehst du Aufbrüche in deinem Land?

Es begeistert mich, dass wir bei vielen jungen Menschen einen wachsenden geistlichen Hunger erleben. Früher glaubten die meisten Sambier, dass das Sitzen in einer Kirche den christlichen Glauben ausmacht. Aber jetzt haben die jungen Menschen Hunger nach Gottes Wort, wollen im Alltag mit Jesus leben und Botschafter für ihn sein. Bitte betet, dass sie sich von nichts und niemandem abhalten lassen, die Schätze der Bibel zu entdecken und ausdauernd mit ihnen zu leben.

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