16.07.2025

Von Gott gesehen

Wie eine blinde Community durch Hörbibeln Jesus kennenlernt

Zwei blinde Hörbibelgruppenteilnehmerinnen erzählen ihr Zeugnis.
Margareth (l.) ist sehbehindert und erzählt, wie Gott sie als ehemalige Hexenmeisterin verändert hat.

„Früher war ich eine Hexenmeisterin. Ich war ein schlechter Mensch und so schrecklich einsam.“ Margareth Marwa lebt in Butiama im Nordwesten von Tansania – einem Ort, an dem die geistliche Dunkelheit deutlich spürbar ist. Wie die meisten Menschen in der Region lebt Margareth von der eigenen Landwirtschaft. Als Hexenmeisterin wurde sie zwar von vielen in ihrem Dorf aufgesucht, doch lebte sie gleichzeitig isoliert, weil die Menschen sie fürchteten. Sie ist nicht die Einzige, die Hexerei praktiziert hat. Ein weiteres Merkmal, das sie kurioserweise mit vielen Bewohnern ihres Dorfes gemeinsam hat: ihre Sehbehinderung. Denn ein überdurchschnittlich hoher Anteil der Menschen in Butiama ist blind oder in ihrer Sehkraft stark eingeschränkt. „Wir haben das Gefühl, dass es wie ein Fluch ist“, sagt Margareth. Doch in diese Dunkelheit strahlt nun nach und nach das Licht Gottes. Denn er beruft gerade die, von denen man es am wenigsten erwarten würde.

Pastor Siro aus Tansania, der auf einem Auge blind ist, leitet eine Hörbibelgruppe.
Ein neues Leben in Jesus

Pastor Siro betreut die junge christliche Gemeinde in Butiama, in die auch Margareth geht. Der kleine Holzverschlag kann längst nicht mehr allen Gottesdienstbesuchern Platz bieten. Unter der Woche treffen sich mehrere Bibelstudiengruppen, um gemeinsam Gottes Wort zu lesen. Während Pastor Siro das Bibelstudienmaterial auf seinem Schoß liegen hat – ihm fehlt zwar sein rechtes Auge, aber mit seinem linken kann er lesen – sind die meisten der Bibelgruppenteilnehmer darauf angewiesen, Gottes Wort vorgelesen zu bekommen. Pro Gruppe gibt es eine Hörbibel, mit der die Passage, über die sie sprechen, gemeinsam angehört wird. Heute ist es 5. Mose 7,6: „Denn ihr seid ein heiliges Volk und gehört dem HERRN, eurem Gott. Aus allen Völkern der Erde hat er euch ausgewählt und zu seinem Eigentum gemacht.“ (NGÜ)

„Denn ihr seid ein heiliges Volk…“

Die Worte berühren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr. „Gott möchte, dass wir der Dunkelheit den Rücken kehren, ihn als Herrn anerkennen und als sein Volk nach dem leben, was er uns aufträgt“, erklärt Pastor Siro. Die sehbehinderten Frauen und Männer hören aufmerksam zu, ihr Blick ins Leere gerichtet. Ein älterer Mann mit trüben, aber leuchtenden Augen meldet sich zu Wort: „Zu Gottes Volk zu gehören, heißt, dass wir jetzt ein Zeugnis sind, wie lebendige Buchstaben. Wenn andere unser Leben anschauen, dann sehen sie, dass wir nicht mehr so handeln wie früher.“ Und er hat recht. So wie Margareth gibt es einige, die früher Geister angerufen und Okkultismus praktiziert haben und jetzt ein neues Leben in Jesus beginnen.

Ein Hörbibelgruppenteilnehmer hält die Hörbibel so, dass die anderen die Bibelstelle mithören können.

Große Freude über die eigene Hörbibel

Heute ist ein besonderer Tag, denn im Anschluss an die vorerst letzte Einheit der Bibelgruppe bekommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine eigene Hörbibel überreicht. Untereinander helfen sich die Frauen und Männer dabei, nach vorne zu kommen, ohne sich anzustoßen und ihre eigene Bibel in Empfang zu nehmen. „Jetzt, wo ich eine Hörbibel habe, werde ich meine Nachbarn einladen, gemeinsam Gottes Wort zu studieren“, freut sich einer der Teilnehmer. Ein anderer sagt: „Für mich ist diese Hörbibel ein Evangelisationsinstrument in unserem Dorf.“ Auch Margareth bekommt heute ihre eigene Hörbibel und freut sich sehr: „Die Menschen da draußen haben keine Ahnung, was für Freude und Güte ich hier erlebe. Ich liebe Jesus und ich sehe es als meine Verantwortung, dass andere auch davon erfahren.“ Denn wie es Römer 10,17 beschreibt, haben es die Gemeindemitglieder in Butiama auch erlebt: „Der Glaube kommt also aus dem Hören der Botschaft, die Verkündigung aber durch das Wort des Christus.“ (NeÜ) Und genau das wollen sie nun weitergeben.

Ein Teilnehmer der Hörbibelgruppe in Tansania freut sich über seine eigene Hörbibel.
Ein Hörbibelgruppen-Teilnehmer freut sich über die Hörbibel – und möchte sie Leuten aus dem Dorf vorspielen.

Beschenken Sie Sehbehinderte mit einer Hörbibel!

Sie können mehr sehbehinderten Menschen wie Margareth den Zugang zu Gottes Wort ermöglichen. Denn je 7 EUR ermöglichen Sie einer Person die Teilnahme an einer Bibelgruppe und eine eigene Hörbibel. Helfen Sie mit und schenken Sie Blinden in Tansania Hoffnung.

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02.10.2024

Mit Jesus im Herzen und der Hörbibel im Ohr: Eine ehemalige Prostituierte erzählt

Docas war 35 Jahre alt, als ihr Mann an Nierenversagen starb. Nun war sie mit ihren vier Kindern allein. „Ich wusste nicht, wie ich die Familie ernähren und die Schulgebühren bezahlen sollte und habe den einfachen Weg gewählt – doch einen mit vielen Konsequenzen im Nachgang“, erzählt die 65-Jährige heute. 10 Jahre lang arbeitete sie als Prostituierte und verkaufte ihren Körper, um ihre Familie zu versorgen. „Mit der Zeit fing ich an, meine Entscheidung zu bereuen, aber ich wusste nicht, wie ich da rauskommen sollte. Schließlich musste ich immer noch für Einkommen sorgen.“ Der Wendepunkt kam – doch anders als erwartet.

Docas bekommt ihre Hörbibel überreicht. Neben ihr stehen drei Kinder.
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