ARMENIEN

Interview

Gebetserhörung mitten im Krieg

Interview mit der armenischen Bibel Liga-Leiterin Manik Eloyan

Manik Eloyan Die Leiterin der armenischen Bibel Liga: Manik Eloyan.

Wie geht es dir und dem Bibel Liga-Team nach dem Ende des bewaffneten Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan?

Für uns kam das Ende des Krieges so unerwartet wie der Beginn. Viele Armenier haben Angehörige verloren und unser Volk musste Land abgeben. Es liegt ein großer Schmerz und Enttäuschung auf Armenien.

Unser Bibel Liga-Team und unsere Familien haben durch Gottes Gnade keine Toten beklagen müssen, aber wir trauern mit den Trauernden. Für uns ist Jesus Christus die Hoffnung und der Fels, auf dem wir stehen.

Welcher Bibeltext hat dich in den letzten Monaten begleitet und deinen Glauben gestärkt?

Psalm 91 war für mich ein täglicher Begleiter. Oft habe ich den Psalm laut gelesen und immer wieder haben einzelne Verse mich tagsüber gestärkt. Häufig habe ich den Psalm auch mit anderen Geschwistern gebetet und wir sprachen darüber.

Welche Gebetserhörungen habt ihr während des Krieges erlebt?

Von unseren 16 neuen Gemeindegründern wurden vier eingezogen. Sie sind alle unbeschadet zurückgekehrt. Preis sei Gott! Auch Arman, ein Gemeindegründer-Ausbilder war an der Front. Er berichtete uns: „Als ich meinen Kameraden erzählte, dass ich Pastor bin, stellten sie mir viele Fragen und ich konnte mit 35 Soldaten beten. Wenige Tage danach erlebten wir eine große Bewahrung. Sowohl aus der Luft als auch von Panzern wurde das Feuer auf uns eröffnet. Trotzdem blieben wir alle unversehrt.

Gemeindegründerschulung auf dem Balkon Gemeindegründerschulung auf dem Balkon

Wie ladet ihr derzeit Menschen in Bibelstudiengruppen ein?

Gemeinden, bei denen Flüchtlinge untergekommen sind, haben für diese neue Bibelgruppen gestartet. Manche Kleingruppenleiter besuchen auch Menschen in Flüchtlingsunterkünften und laden sie in ihre Bibelgruppe ein.

Ein Bericht ist für mich sehr bewegend: Ein Ehepaar hat durch den Krieg beide Söhne (18- und 20-jährig) verloren. Die Eltern wollten sich das Leben nehmen, aber gläubige Nachbarn retteten sie. Sie trösteten die beiden und erzählten von der Hoffnung, die sie in Jesus gefunden haben. Inzwischen hat auch das Ehepaar zum Glauben gefunden und ist Teil einer Bibelgruppe.

Wie gehen die christlichen Gemeinden mit der Covid19-Pandemie um?

Am Anfang waren sie wie die meisten Armenier geschockt. Aber schon bald begannen Online-Treffen, Open-Air-Gottesdienste und -Bibelgruppen. Als sich nur noch 10 Personen treffen durften, empfahlen wir, kleine Gruppen mit 2-5 Personen und unter Einhaltung der Vorschriften zu bilden. Einige Gruppenleiter machten sogar Hausbesuche, um zu zweit oder zu dritt eine Lektion durchzunehmen.

Welche Schwerpunkte wollt ihr mit der Bibelverbreitung im Jahr 2021 setzen?

Nach dem Krieg haben wir es mit vielen Menschen zu tun, die enttäuscht und hoffnungslos sind. Wir wollen mit unseren Partnergemeinden Familien ansprechen und begleiten, die Angehörige verloren haben.

Darüber hinaus schulen wir Mitarbeiter von Gemeinden speziell für Kinder- und Teenagergruppen. Gottes Wort soll sie schon in jungen Jahren treffen und zu Christus führen.

Manik stellt das Bibelstudienmaterial vorManik stellt das Bibelstudienmaterial vor.

Welche Gebetsanliegen hast du für unsere Geschwister im deutschsprachigen Raum?

Durch das Leid und die wirtschaftliche Not sind die Armenier aus meiner Sicht offener geworden für das Evangelium. Viele haben zwar eine religiöse Vorprägung, aber sie kennen Jesus trotzdem nicht.

Bitte betet, dass sich die Menschen von Jesus helfen lassen. Betet auch für unsere Bibelkurs-Teilnehmer, dass Sie selbst mutige Zeugen für Jesus werden. Und schließlich benötigen unsere Regierung und die Oppositionspolitiker unsere Gebetsunterstützung, damit Armenien nicht ins Chaos stürzt. 

Das Interview hat Reinhard Knödler Mitte Dezember 2020 per Email mit Manik Eloyan durchgeführt