MEXIKO

Erfahrungsbericht

Worte des Lebens für ein uraltes Volk

Osiel Jimenez ist ehrenamtlicher Pastor in Los Vicente, einem kleinen Dorf im Bundesstaat Oaxaca. Fast alle hier sind Zapoteken, Nachfahren eines uralten indianischen Kulturvolkes.

Unterdrückung führte zu Distanz – auch zum Glauben

Die Zapoteken sind mit ca. 450.000 Menschen die drittgrößte indigene Gruppe in Mexiko. Juchitán und Tehuantepec heißen die beiden großen Städte, in denen auch heute noch im Alltag zapotekisch gesprochen wird. Traditionell arbeiten sie als Bauern, Fischer und Markthändler. Der Markthandel ist fest in den Händen zapotekischer Frauen, die häufig in ganz Mexiko herumziehen, um ihre Waren zu verkaufen. Vor allem handgewebte Kleidung, Hängematten, Töpferwaren und getrockneten Fisch aus Oaxaca findet man überall. Wie viele indigene Völker Lateinamerikas litten die Zapoteken an der Unterdrückung ihrer Kultur und Sprache durch die spanischen Eroberer. Deswegen blieb eine innere Distanz weit verbreitet – auch zum Glauben.

Von zwei Familien zu einem Drittel des Dorfs

Osiel Jimenez kennt diese Distanz gut. Er ist selbst Zapoteke. Aber ihn berührte Gottes Wort und er fand zum Glauben an Jesus Christus. Vor acht Jahren absolvierte er dann bei der Bibel Liga eine Ausbildung zum Gemeindegründer. Er entschied sich damals für das kleine Dorf Los Vicente, um dort seine erste Gemeindearbeit zu beginnen. In der ganzen Region gab es keine dem Evangelium zugewandte Gemeinde. Anfangs eine Sache zweier Familien, sind heute rund ein Drittel der Dorfbewohner treue Besucher seiner Gemeinde ‚Vom kommenden König‘. Und mit diesem König hat sich das Dorf verändert. Wo vorher kaum jemand Christsein lebte, begegnen sich nun viele als Geschwister. Andere kommen aus benachbarten Dörfern und dem Umland dazu. Das Evangelium zieht Kreise.

Über die Kinder das eigene Volk erreichen

Begonnen hat Osiel mit den Kindern. Jahr für Jahr unterrichtete er Kinder- und Teenagergrup­pen und verwendete dazu den Philippus-Bibelkurs. Heute teilen sich Osiel und seine Tochter Nayuith die Gruppen auf. Osiel arbeitet mit den Älteren und Nayuith übernimmt mit ihrer Freundin die Kleineren. Seine Strategie, zuerst die Kinder zu Jesus kommen zu lassen, geht auf: „Inzwischen erreichen wir über die Kinder auch ihre Eltern“, erläutert Osiel. Es hat sich herumgesprochen, dass in Los Vicente Bibelkurse stattfinden, die gut erklärt und teils auf Zapotekisch gehalten werden und an deren Ende jeder eine eigene Bibel erhält: „Die Kurse füllen sich von alleine – über Mundpropaganda.“

Trotz Dürre, Drogen und Armut

Der Zulauf ist umso erstaunlicher, als es vielen Zapoteken eher schlecht geht. Osiel arbeitet als Bauunternehmer und konnte einige Gemeindemitglieder in seiner Firma anstellen. Aber die meisten sind Bauern und Fischer. Und für die sind die Zeiten hart: „Die Region leidet unter extremer Dürre. Etliche Familien sind fortgegangen, als die Seen austrockneten und kaum noch Sorghum (Hirseart) oder Mais angebaut werden konnte. Auch die Fischer fangen nicht mehr genug, um davon leben zu können“, weiß Osiel. Dazu machen Drogen und Kriminalität große Probleme: „Die Versorgungslinien von Marihuana und Kokain auf ihrem Weg nach Norden gehen direkt durch unsere Gegend.“

 „Diuxhi cundayalii“ Gott segne dich!

Dennoch strahlt der Pastor eine innere Zuversicht aus: „Letztlich hat sich das Dorf durch die neuen Christen sehr positiv verändert. Man begegnet sich anders. Und man ehrt Gott gemeinsam und für alle sichtbar.“ So zum Beispiel beim Gottesdienst auf dem Dorfplatz. Gesungen wird auf Spanisch und Zapotekisch und auch während seiner Predigt liest Osiel die Bibeltexte in beiden Sprachen. Er tut das für die Älteren, die ihre Muttersprache zwar sprechen, aber nicht lesen können, weil sie in der Schule nicht vorkam. Stets schließt Osiel mit dem Segen auf Zapotekisch: „Diuxhi cundayalii“ – Gott segne dich! Von Los Vicente breitet sich das Evangelium weiter aus. Osiel und evangelistisch begabte Gemeindeglieder bringen das Licht des Evangeliums in Dörfer und Ortschaften, die weit abseits liegen - hinter Feldern von Mais, Sorghum, Mandeln und Pfirsichen.