NICARAGUA

Erfahrungsbericht

Erfahrungsbericht: Bela Vista verändert sich

Der Bauleiter Maximo gründet eine Gemeinde in einem abgelegenen Dorf Nicaraguas

Maximo Leon (44) lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in einem Vorort Managuas. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Bauleiter. Berufsbegleitend absolvierte er das Gemeindegründertraining der Bibel Liga und startete eine Gemeinde im Dorf Bela Vista. Reinhard Knödler besuchte ihn dort.

Bela Vista liegt mitten in einem bergigen Waldgebiet, etwa 5 km von der nächsten Siedlung entfernt. Verborgen hinter Palmen, Bambus und Zedern leben ca. 3.000 Menschen, die auf ihren steilen Feldern Getreide, Gemüse und Kaffee anbauen. Mit einem allradgetriebenen Geländewagen fahren wir sonntagmorgens vom Zentrum Managuas etwa 45 Minuten in das Dorf. Dort warten bereits Maximo, seine Frau und etwa 60 Erwachsene und Kinder auf uns. Zwei- bis dreimal die Woche fährt Maximo mit seinem Motorrad hierher. Man spürt, wie dankbar die Dorfbewohner dafür sind. 

Maximo fand vor 9 Jahren zum Glauben an Jesus Christus. Er erzählt uns, dass er vorher dem Alkohol verfallen und immer wieder in gewalttätige Auseinandersetzungen verwickelt war. „Meine Frau war damals schon längere Zeit Christin und lud immer wieder ihren Pastor zum Bibelgespräch zu uns nach Hause ein. Pastor Armando wählte an diesem Tag für unser Gespräch das Gleichnis vom reichen Mann und Lazarus aus. Mich traf dieser Text mitten ins Herz und ich war berührt von der Erkenntnis, dass es ein „zu spät“ gibt. Mit Armando und meiner Frau bat ich Jesus unter Tränen, um die Vergebung meiner Schuld.“ 

Maximo zeigt uns voller Freude die Baustelle des neuen Gemeindegebäudes. Auf Baustellen ist der Bauleiter in seinem Element. Zwei Wände und das Dach sind schon fertiggestellt, aber derzeit fehlt das Geld zum Weiterbauen. Der Boden ist aus Lehm und die Gottesdienstbesucher sitzen auf Plastikstühlen oder einer Holzbank. Für die Christen in Bella Vista ist das Engagement von Maximo und seiner Gemeinde eine Gebetserhörung. So wie die Muttergemeinde heißt auch die junge Gemeinde ‚Rettungsarche‘ (Arc of Salvation). Vor 2015 liefen ein Dutzend Christen aus Bela Vista fast jeden Sonntag 5 km zur Gemeinde von Pastor Armando und nach dem Gottesdienst dann wieder die gleiche Strecke nach Hause.

„Jetzt haben wir endlich eine Gemeinde in unserem Dorf“, freut sich die14-jährige Ana Cristina, die gerade einen 13-wöchigen Bibelkurs durchlaufen hat. Seit Maximo und Armando anfingen, die Christen vor Ort als Bibelgruppenleiter zu schulen, Hausbesuche machten und mit dem Bau des Gemeindegebäudes begannen, hat sich vieles verändert. „Der Familienzusammenhalt in unserem Dorf ist sehr stark“, so die 46-jährige Candida, eine ausgebildete Kleingruppenleiterin der Rettungsarche. „Deshalb organisieren wir für interessierte Dorfbewohner in deren Häuser Bibelgruppen für ganze Großfamilien. In ihrer Umgebung sind die Menschen offener, weil dort jeder jeden kennt.“ Maximo ergänzt: „In der Gemeindegründerausbildung der Bibel Liga wurde mir das Programm Philippus vorgestellt. Ich war Feuer und Flamme über das induktive Bibelstudium* mit dem begleitenden Schulungsmaterial. Durch die einfachen Kurseinheiten kann jeder verstehen, wer Jesus ist und was er für uns getan hat.“

Inzwischen gehören im Dorf 49 Erwachsene und knapp 40 Kinder zur Gemeinde. Ihr fröhlicher Lobgesang schallt an diesem Morgen durch das bergige Waldgebiet. Am Ende unseres gemeinsamen Gottesdienstes erhalten 20 Kinder und Teenager und 25 Erwachsene ihre erste eigene Bibel. Ein heiliger Moment. Wir freuen uns mit ihnen.

*Der Fachbegriff „induktives Bibelstudium“ beschreibt eine Methode der Bibelauslegung, die mit drei einfachen Schritten (Beobachtung, Auslegung und Anwendung) Bibeltexte untersucht und auslegt.

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