Hauskreis-Material zur Jahreslosung 2027: Fragen und Impulse für 60 Minuten
„Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott!“ (Einheitsübersetzung 2016)
Die Jahreslosung 2027 aus Jesaja 41,10 wird gerne auf Postkarten, Postern und Kugelschreibern abgedruckt. Der Vers ist kurz, tröstlich und schnell verständlich. Oder vielleicht doch nicht? Wer einige Verse vorher zu lesen beginnt, trifft auf Angst, wackelnde Götterbilder, ein bedrohtes Israel und einen Gott, der sagt: Ich halte dich.
In diesem Gesprächsleitfaden lesen wir deshalb nicht nur die Jahreslosung, sondern Jesaja 41,5-14. Dabei geht es um eine Frage, die erstaunlich aktuell ist: Was gibt uns Halt, wenn Sicherheiten wanken?
Das Hauskreis-Material ist für einen Kleingruppenabend von etwa 60 Minuten konzipiert und kann direkt verwendet werden. Es erschließt die Jahreslosung in ihrem biblischen Zusammenhang und hilft dabei, miteinander darüber ins Gespräch zu kommen. Alle sollten eine Bibel dabeihaben.
Tipp: Sie möchten die Jahreslosung im Hauskreis vertiefen? Hier finden Sie einen fertigen Gesprächsleitfaden zu Jesaja 41,10 für 60 Minuten.

Hauskreis zur Jahreslosung 2027: Ablauf für 60 Minuten
Für den Abend können Sie ungefähr so planen:
- 5 Minuten: Ankommen und Einstieg
- 10 Minuten: Jesaja 41,5-14 lesen und betrachten
- 15 Minuten: Was trägt, wenn Sicherheiten wanken?
- 15 Minuten: „Hab keine Angst…“
- 10 Minuten: Persönliche Anwendung (Wichtig: Sie brauchen für alle Teilnehmenden ein weißes DIN-A4-Blatt, einen Kugelschreiber/Bleistift und einen Buntstift).
- 5 Minuten: Gebet und Abschluss
Die Zeitangaben sind Richtwerte. Je nach Gruppengröße und Gesprächsdynamik kann der Abend auch 90 Minuten dauern. Wählen Sie deshalb die Gesprächsfragen aus, die für Ihre Gruppe besonders gut passen. Sie müssen nicht alle Fragen behandeln. Wenn an einer Stelle ein gutes Gespräch entsteht, darf es dort gerne länger werden.
1. Einstieg: Was gibt Sicherheit? – 5 Minuten
Beginnen Sie mit einem kurzen Austausch:
Gesprächsfrage: Was gibt dir im Alltag ein Gefühl von Sicherheit oder Stabilität? In welchen Situationen merkst du, dass dieses Gefühl von Sicherheit ins Wanken gerät?
Lassen Sie die Antworten zunächst einfach stehen. Vielleicht werden Familie, Gesundheit, Arbeit, Geld, Routinen, Freundschaften oder der Glaube genannt. Greifen Sie die Beiträge noch nicht ausführlich auf. Einige davon werden später im Gespräch wieder wichtig.
2. Jesaja 41,5-14 gemeinsam lesen – 10 Minuten
Lesen Sie Jesaja 41,5-14 laut gemeinsam – vielleicht auch in zwei unterschiedlichen Übersetzungen wie der NeÜ und Hoffnung für alle. Am besten haben alle den vollständigen Abschnitt vor sich.
5 Die Meeresländer sahen es und fürchteten sich, / die Enden der Erde bekamen Angst. / Sie machten sich auf und kamen herbei. 6 Sie halfen einander und machten sich Mut. 7 Der Kunsthandwerker glättet das Gold mit dem Hammer, / ermutigt den Goldschmied, der auf dem Amboss hantiert, / und sagt von der Lötung: „Sie ist gut!“ / Dann macht er das Götzenbild mit Nägeln fest, dass es nicht wackelt. 8 Doch du, mein Diener Israel, / du, Jakob, den ich erwählte, / Nachkomme meines Freundes Abraham, 9 dich habe ich vom Ende der Erde genommen, / dich aus ihrem fernsten Winkel geholt und zu dir gesagt: / Du stehst in meinem Dienst! / Ich habe dich erwählt und dich auch jetzt nicht verstoßen. 10 Schau nicht ängstlich nach Hilfe aus, / denn ich, dein Gott, ich stehe dir bei! / Hab keine Angst, denn ich bin dein Gott! / Ich mache dich stark und ich helfe dir! / Ich halte dich mit meiner rechten und gerechten Hand. 11 In Schimpf und Schande stehen alle da, / die gegen dich gewütet haben. / Sie gehen zugrunde, werden wie Nichts, / die Männer, die dein Lebensrecht bestreiten. 12 Du wirst sie suchen, findest sie aber nicht mehr, / die Männer, von denen Zank ausging. / Die Männer, die mit dir kämpften, / verschwinden als Nichtse im Nichts. 13 Denn ich bin Jahwe, dein Gott. / Ich fasse dich bei der Hand und sage zu dir: / Fürchte dich nicht! Ich, ich helfe dir! 14 Erschrick nicht, kleines Würmchen Jakob, / du kleines Häuflein Israel! / Ich, ich helfe dir, spricht Jahwe. / Dein Erlöser ist der heilige Gott Israels. (NeÜ)
Lassen Sie anschließend zunächst den Text selbst sprechen und stellen Sie dazu die folgenden Fragen:
Gesprächsfragen:
- Was ist dir beim ersten Lesen aufgefallen?
- Welche Personen oder Gruppen kommen in diesem Abschnitt vor?
- Welche Stimmungen oder Gefühle nimmst du wahr?
- Was tun die Menschen in Vers 5-7?
- Was erfahren wir in Vers 8-10 über Israel?
- Welche Aussagen macht Gott über sich selbst?
- Welche Handlungen Gottes werden in diesem Abschnitt beschrieben?
- Welche Bilder sprechen dich besonders an?
Versuchen Sie, in dieser Phase noch nicht jede Beobachtung auszulegen. Es geht zunächst darum, gemeinsam wahrzunehmen, was tatsächlich im Text steht.
3. Was trägt, wenn Sicherheiten wanken? – 15 Minuten
Lesen Sie nun noch einmal Jesaja 41,5-7 und anschließend Vers 10 und Vers 13.
Die Völker erleben Unsicherheit und versuchen, sich gegenseitig zu stärken. Gleichzeitig werden die angefertigten Götterbilder befestigt, damit sie nicht wackeln. Wenige Verse später beschreibt Gott sein eigenes Handeln gegenüber Israel: Er stärkt, hilft und hält.
Dieser Kontrast bietet viel Stoff für ein Gespräch.
Gesprächsfragen:
- Welche Unterschiede entdeckst du zwischen Vers 5-7 und Vers 13-14?
- Was muss in Vers 7 festgemacht werden?
- Wer hält in Vers 10 und Vers 13 wen?
- Welche Arten von Sicherheit kennst du aus deinem eigenen Leben?
- Welche davon empfindest du als tragfähig?
- Wo erlebst du, dass Sicherheiten begrenzt oder zerbrechlich sind?
- Woran merkst du, dass etwas für dich mehr Bedeutung bekommt, als ihm eigentlich zusteht?
- Was verändert der Gedanke, dass Gott selbst der Handelnde und Haltende ist?
Hier darf auch Raum für unterschiedliche Erfahrungen bleiben. Manche erleben Gottes Halt sehr deutlich. Andere haben Zeiten erlebt, in denen sie davon kaum etwas gespürt haben. Beides kann im Gespräch Platz haben.
4. „Hab keine Angst …“ – 15 Minuten
Lesen Sie Jesaja 41,10 noch einmal langsam: Schau nicht ängstlich nach Hilfe aus, / denn ich, dein Gott, ich stehe dir bei! / Hab keine Angst, denn ich bin dein Gott! / Ich mache dich stark und ich helfe dir! / Ich halte dich mit meiner rechten und gerechten Hand. (NeÜ)
Achten Sie gemeinsam darauf, wie Gott seine Aufforderung begründet. Auf die Ermutigung, sich nicht zu fürchten, folgt die Zusage von Gottes Nähe.
Lesen Sie anschließend 2. Mose 3,11-14. Mose fühlt sich seinem Auftrag nicht gewachsen. Gottes Antwort richtet den Blick auf seine Gegenwart: „Ich will mit dir sein“ (Schlachter 2000). Wenig später offenbart Gott seinen Namen mit den Worten „Ich bin, der ich bin“ (Schlachter 2000). Das hebräische „Ehjeh ascher ehjeh“ kann auch den Gedanken „Ich werde sein, der ich sein werde“ beinhalten. Gott zeigt sich damit als der, der ist und gegenwärtig bleibt, als der, der sagen kann: „Ich bin da, und ich werde auch morgen da sein.“ Die Septuaginta, die alte griechische Übersetzung des Alten Testaments, gibt 2. Mose 3,14 mit einer Formulierung wieder, die Gott als „den Seienden“ bezeichnet.
Für Mose ist das keine abstrakte Aussage über Gottes Wesen, sondern eine Zusage mit unmittelbarer Bedeutung für seinen Auftrag. Er soll aufbrechen, weil der Gott, der ist, auch mit ihm sein wird. Genau das zeigt sich in Jesaja 41,10 wieder: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir“ (Schlachter 2000).
Im Neuen Testament begegnet uns dieser Gedanke erneut. Jesus wird in Matthäus 1,23 Immanuel genannt, „Gott ist mit uns“. Am Ende des Matthäusevangeliums sagt der auferstandene Jesus in Matthäus 28,20 zu seinen Jüngern: „Und seid gewiss: Ich bin jeden Tag bei euch, bis zum Ende der Welt.“ (NGÜ 2011)
Gesprächsfragen:
- Was fällt dir an diesen Texten auf?
- In welchen Situationen spricht Gott seine Gegenwart zu?
- Was könnte es für Mose und die Jünger bedeutet haben, zu hören: „Ich bin mit dir“?
- Welche Erwartungen verbindest du selbst mit Gottes Gegenwart?
- Wann erlebst du Gottes Gegenwart?
- Wann fällt es dir schwer, mit ihr zu rechnen?
- Was hilft dir, Gott zu vertrauen, wenn eine Situation sich nicht ändert?
- Welche Fragen bleiben für dich bei der Jahreslosung offen?
5. Persönliche Anwendung: Gott ist da – 10 Minuten
Geben Sie allen Teilnehmenden ein Blatt Papier, einen Kugelschreiber oder Bleistift, einen Buntstift und etwas Zeit für sich.
Stellen Sie zunächst diese Frage:
Was beschäftigt dich im Moment? Was macht dir Sorgen? Wovor hast du Angst?
Alle schreiben für sich auf, was gerade da ist. Niemand muss anschließend etwas davon vorlesen. Danach können die Teilnehmenden quer über das Geschriebene in großen Buchstaben schreiben:
„Gott ist da.“
Lassen Sie einen kurzen Moment der Stille entstehen. Wenn die Gruppe möchte, können Sie anschließend darüber sprechen.
Gesprächsfragen:
- Was hast du wahrgenommen, als du „Gott ist da“ über deine Gedanken geschrieben hast?
- Welche Reaktion löst dieser Satz bei dir aus?
- Verändert sich durch das Wissen um Gottes Gegenwart etwas?
- Welche Spannung erlebst du zwischen der Zusage „Gott ist da“ und einer Situation, die trotzdem belastend bleibt?
- Was würdest du gern mit in die kommende Woche nehmen?
Auch hier muss niemand persönliche Details nennen. Es reicht, über die Erfahrung mit der Übung zu sprechen.
6. „Ich bin mit euch“ – Gebet und Abschluss – 5 Minuten
Zum Abschluss liest eine Person aus der Gruppe nochmals die Jahreslosung vor. Lassen Sie nach dem Lesen kurz Zeit für Stille.
Für das Gebet können Sie die Gruppe einladen, das aufzugreifen, was den Einzelnen im Laufe des Abends wichtig geworden ist.
Die Jahreslosung mit in den Alltag nehmen
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