05.08.2026

Wie läuft das Philippus-Programm ab? So entstehen Bibelgruppen, die Leben verändern

Elf Jugendliche aus Simbabwe sitzen auf Plastikstühlen im Kreis. Ein großer Baum spendet ihnen Schatten. Einmal pro Woche trifft sich Tibabili mit ihrer Kleingruppe im Innenhof ihrer Gemeinde, um sich über Fragen an Gott und die Bibel auszutauschen. Gemeinsam lesen sie einen Abschnitt aus dem Johannesevangelium. Es wird gefragt, diskutiert und nachgedacht.

Ähnlich beginnen weltweit unzählige Philippus-Gruppen. Knapp zwei Millionen Menschen haben letztes Jahr an einer Bibelstudiengruppe der Bibel Liga teilgenommen. Aus einigen sind bereits kleine Gemeinden entstanden. Doch wie läuft das Philippus-Programm eigentlich ab? Was geschieht zwischen der ersten Einladung und dem Moment, in dem ein Teilnehmer seine erste eigene Bibel in den Händen hält?

Tibabilis Bibelgruppe aus Simbabwe trifft sich unter einem Baum.

Der erste Schritt: Eine Gemeinde möchte Menschen mit Gottes Wort erreichen

Jede Philippus-Bibelgruppe beginnt in einer lokalen Gemeinde. Die Bibel Liga arbeitet in über 40 Ländern mit christlichen Gemeinden zusammen, die Menschen in ihrem Umfeld die gute Nachricht von Jesus Christus weitergeben und sie in Jüngerschaft anleiten möchten. Dafür stellt sie Bibeln, Kursmaterial und Schulungen zur Verfügung.

In Gott fand Tibabili tiefe Freude.

Der Name des Programms geht auf Philippus aus Apostelgeschichte 8,26-39 zurück. Dort begegnet Philippus einem äthiopischen Hofbeamten, der in den Heiligen Schriften liest, ihren Inhalt aber nicht versteht. Philippus setzt sich zu ihm, erklärt ihm den Bibeltext und führt ihn Schritt für Schritt zum Evangelium. Dieses Vorbild prägt das Philippus-Programm bis heute: Menschen sollen selbst Zugang zu Gottes Wort bekommen, es verstehen und Jesus persönlich begegnen.

Auch Tibabili hat das erlebt. Die 19-Jährige kam als Teenagerin auf die schiefe Bahn und nahm Drogen. Eines Tages lud sie ein Freund ihres Vaters, ein Pastor, zu einer Philippus-Gruppe ein. „Ich wusste, dass meine Beziehung zu Gott nicht im Reinen war und mir ging es nicht gut damit“, sagt sie. Tibabili nahm die Einladung an und besuchte regelmäßig die Bibelstudiengruppe. „Beim Bibellesen habe ich gemerkt, welche Kraft Gottes Wort hat. Ich habe mich verändert.“

Aus Christen werden Begleiter auf Zeit

Bevor eine neue Bibelgruppe ins Leben gerufen wird, nehmen interessierte Christen an einer Schulung teil, um sich zu Bibelgruppenleitern ausbilden zu lassen. Auch viele ehemalige Teilnehmer möchten selbst eine Gruppe starten. So ging es auch Tibabili. In einem eintägigen Training lernte sie, wie sie andere beim Entdecken der Bibel begleiten kann. Anschließend erhielt sie das Kursmaterial für ihre Gruppe.

Nach der Schulung beginnt der eigentliche Bibelkurs. Die Gruppenleiter laden Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld ein. Das können Nachbarn, Freunde, Kollegen oder Familienmitglieder sein. Weil sich viele bereits kennen, entsteht schnell eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre. Je nach Land treffen sich die Gruppen in Gemeinderäumen, Privathäusern oder unter freiem Himmel. Entscheidend ist nicht der Ort, sondern die gemeinsame Beschäftigung mit Gottes Wort.

Fünf Frauen treffen sich zum gemeinsamen Bibellesen.

Gemeinsam die Bibel entdecken: Wie läuft eine Bibelgruppe ab?

Je nach Alter und Region stellt die Bibel Liga unterschiedliche Kurshefte zur Verfügung, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ihrer Lebenswirklichkeit abholen. Ein Treffen dauert meist etwa ein bis zwei Stunden. Gemeinsam liest die Gruppe einen in dem Kursheft abgedruckten Bibelabschnitt. Anschließend helfen Fragen aus dem Heft dabei, den Text zu verstehen und auf das eigene Leben zu beziehen. Jeder darf erzählen, was ihn bewegt oder welche Fragen entstanden sind. Der Gruppenleiter hält keinen Vortrag, sondern begleitet das Gespräch und hilft dabei, Antworten in Gottes Wort zu entdecken.

Tibabili arbeitet mit einer Gruppe von Jugendlichen durch das Heft „So choose life“ (dt. „Wähle das Leben“). Das Material ist in 16 Lektionen unterteilt. Jede enthält einen oder mehrere Bibeltexte und Fragen, die das Gelesene auf die Herausforderungen des Erwachsenwerdens beziehen. Angefangen mit dem Thema „Wer bin ich eigentlich“ und der Schöpfungsgeschichte besprechen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Thema Identität und Sünde. Anhand von Davids Leben, was es bedeutet, gute oder schlechte Entscheidungen zu treffen und schließlich, warum Jesus der Zugang zu Gott ist. Am Ende der mehrwöchigen Treffen schließt der Kurs mit der Frage, ob die Jugendlichen die Botschaft vom Kreuz annehmen und Gott in ihr Leben einladen möchten. Wie auch für Tibabili damals beginnt für viele hier ihre persönliche Beziehung zu Gott.

Tibabili geht mit den Teilnehmern ihrer Bibelgruppe die Fragen aus dem Kursheft durch.

Bibelgruppen für jede Altersgruppe

Auch Philippus-Gruppen für Erwachsene folgen einem ähnlichen Aufbau. Die Bibelgruppenleiter arbeiten entweder mit einem Begleitheft zum Johannesevangelium oder „Who is God?“ (dt.: „Wer ist Gott?“). Auch hier werden Bibeltexte gemeinsam gelesen und die Lektionen greifen Fragen auf zu Themen wie Identität, warum es Sündenvergebung braucht und warum Jesus der Weg zum wahren Leben ist. Die Gruppe tauscht sich über Fragen aus wie: „Hast du dich jemals gefragt, warum du am Leben bist?“ und „Fällt es dir schwer zu glauben, dass Gott dir hilft?“ Wichtig ist, dass jeder seine Gedanken ehrlich teilen darf. Gleichzeitig ist Gottes Wort die Grundlage, in dem gemeinsam nach der Wahrheit gesucht wird.

Für Kinderbibelgruppen gibt es altersgerechte Kursmaterialien: Ein Ausmalbuch mit Geschichten aus der Bibel für Kinder ab vier Jahren, ein Kursheft für 6-9-Jährige sowie ein Heft für die Altersgruppe 9-12 Jahre.

Egal, ob es sich um eine Bibelgruppe für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene handelt und welches Kursheft verwendet wird – das Ziel immer, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einer persönlichen Beziehung zu Gott einzuladen und sie zu ermutigen, sich einer Gemeinde anzuschließen.

Kinder im Dschungel von Westpapua lesen begeistert in den Heften mit biblischen Geschichten.

Die erste eigene Bibel

Am Ende der Philippus-Gruppe erhalten alle Teilnehmenden ein Zertifikat und ihre erste eigene Bibel. Für viele ist das ein bewegender Moment.

Während in Deutschland Bibeln leicht erhältlich sind, sieht die Situation in vielen Ländern ganz anders aus. Viele Menschen aus ärmlichen Regionen besitzen keine Bibel, weil sie sich nicht leisten können oder es keine Möglichkeit gibt, eine Bibel zu kaufen. In anderen Ländern gibt es staatliche Einschränkungen. Dank Unterstützern wie Ihnen erhalten die Teilnehmer der Bibelgruppe eine eigene Bibel. Die Frauen und Männer haben gelernt, wie sie in Gottes Wort lesen und es verstehen können und werden ermutigt, davon in ihrem Alltag regen Gebrauch zu machen. Viele Menschen entscheiden sich in einer Philippus-Gruppe bewusst für ein Leben mit Jesus Christus. Andere, die schon länger Christen waren, haben Gottes Wort schätzen gelernt und verstanden, wie wichtig es ist, sich nicht nur auf das zu verlassen, was Pastoren sagen, sondern selbst in der Bibel nachzulesen. So tragen die Bibelgruppen zum mündigen Christsein bei.

Drei Teilnehmerinnen einer Bibelgruppe freuen sich über ihre erste eigene Bibel.

Philippus-Kurse: Startschuss für Jüngerschaft

Der erste Philippus-Gruppe bildet oft nur den Anfang. Wer Jesus Christus kennenlernt und ihm nachfolgen möchte, kann anschließend an weiterführenden Bibelgruppen teilnehmen. Oft bleibt die Konstellation der ersten Philippus-Gruppe auch nach der Bibelübergabe bestehen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kennen sich bereits, vertrauen einander und gehen nun gemeinsam die ersten Schritte in ihrer Jesus-Nachfolge.

In dem weiterführenden Kursheft „Reaching towards the goal“ (dt.: „Sich nach dem Ziel austrecken“) geht es um Themen wie Gebet, Bibellesen, christliche Gemeinschaft, verantwortungsvollen Umgang mit den eigenen Gaben und ein Leben als Nachfolger Jesu. Anhand von Bibeltexten wie die neutestamentlichen Briefe tauschen sich die Teilnehmenden darüber aus, wie sie ihr neues Leben mit Jesus praktisch leben können und welche Schwierigkeiten ihnen dabei begegnen.

Wenn Teilnehmende selbst Bibelgruppen leiten

Tibabili ist eine von vielen ehemaligen Teilnehmenden, die selbst an einer Philippus-Schulung teilnimmt, um den Segen, den sie erfahren hat, weiterzugeben. So entsteht ein Kreislauf, der das Philippus-Programm seit vielen Jahren prägt. Aus Teilnehmenden werden Leiter. Aus einer Bibelgruppe entstehen mehrere neue Gruppen. Das Evangelium erreicht Familien, Nachbarschaften und manchmal ganze Dörfer.

Diese Multiplikation gehört zu den wichtigsten Merkmalen des Philippus-Programms. Gottes Wort wird von Menschen weitergegeben, die Sprache, Kultur und Lebenswirklichkeit ihrer Mitmenschen kennen. Dadurch entstehen Beziehungen, die weit über die Dauer eines Bibelkurses hinausreichen.

Warum das Philippus-Programm so wirksam ist

Der Erfolg des Philippus-Programms beruht nicht auf einer einzelnen Methode. Mehrere Bausteine greifen ineinander.

Menschen werden von Christen aus ihrem eigenen Umfeld eingeladen. Die Gruppen bleiben bewusst klein und bieten Raum für persönliche Gespräche. Gottes Wort steht bei jedem Treffen im Mittelpunkt. Neue Christen werden ermutigt, Teil einer Gemeinde zu werden und selbst Verantwortung zu übernehmen.

Ein weiterer Grund für die nachhaltige Wirkung des Philippus-Programms ist seine Flexibilität. Die Bibel Liga arbeitet weltweit nach einem gemeinsamen Konzept, setzt jedoch je nach Sprache und regionalem Kontext unterschiedliche Studienmaterialien ein. Dadurch können Gemeinden mit Ressourcen arbeiten, die Menschen vor Ort verstehen und die ihrer Lebenswirklichkeit entsprechen. Ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene: Alle erhalten Materialien, die auf ihre Lebensphase zugeschnitten sind und sie Schritt für Schritt an Gottes Wort heranführen.

Mit Ihrer Spende werden neue Philippus-Gruppen möglich

Aus Tibabili, der jungen Frau, die damals selbst eingeladen wurde, ist heute eine Bibelgruppenleiterin geworden. Jede Woche sitzt sie wieder mit Jugendlichen unter dem Baum ihrer Gemeinde. Sie liest mit ihnen dieselben Bibeltexte, die ihr Leben verändert haben und wird Zeuge davon, wie sich die Jugendlichen nach und nach öffnen.

Mit Ihrer Spende ermöglichen Sie, dass Menschen gemeinsam Gottes Wort entdecken, ihre erste eigene Bibel erhalten und Jesus Christus kennenlernen können. Manche von ihnen werden später selbst Bibelgruppen leiten und weitere Menschen einladen. Immer wieder berichten unsere Partner: „Familien gehen liebevoller miteinander um. Unser Dorf hat sich verändert. In unserem Stadtteil gibt es weniger Kriminalität.“ So zieht die frohe Botschaft immer weitere Kreise.

Die Teilnehmer aus Tibabilis Bibelgruppe öffnen sich immer mehr.
Die Frauen aus Simbabwe freuen sich und tanzen, weil sie ihre erste eigene Bibel erhalten haben.

Monatlich helfen

Für je 7 EUR ermöglichen Sie einer Person die Teilnahme an einer Bibelgruppe und ihre eigene Bibel. Für 70 EUR ermöglichen Sie einer zehnköpfigen Gruppe den Austausch und beschenken die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einer Bibel.

Werden Sie jetzt BibelBote und ermöglichen Sie Monat für Monat neue Philippus-Bibelgruppen. Durch Ihre Unterstützung schenken Sie Menschen weltweit Zugang zu Gottes Wort.

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Häufige Fragen zum Philippus-Programm

Was ist das Philippus-Programm?

Das Philippus-Programm ist ein evangelistisches Bibelstudium der Bibel Liga. Geschulte Kleingruppenleiter laden Menschen zum gemeinsamen Bibellesen ein und begleiten sie dabei, das Evangelium kennenzulernen.

Wie läuft eine Philippus-Bibelgruppe ab?

Nach einer Schulung laden die Gruppenleiter Menschen aus ihrem Umfeld zu einem mehrwöchigen Bibelkurs ein. Gemeinsam werden Bibeltexte gelesen, besprochen und Fragen beantwortet. Am Ende erhalten die Teilnehmenden ihre erste eigene Bibel.

Wer kann an einer Philippus-Bibelgruppe teilnehmen?

Das Angebot richtet sich an Menschen, die mehr über die Bibel und den christlichen Glauben erfahren möchten. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Warum erhalten die Teilnehmenden erst am Ende eine eigene Bibel?

Während der Bibelgruppe lernen die Teilnehmenden, selbst in der Bibel zu lesen und sie zu verstehen. Deshalb ist es sinnvoll, dass sie die Bibel im Anschluss erhalten. Gleichzeitig ermöglicht dieses Vorgehen, dass die Bibeln gezielt den Menschen zugutekommen, die ein echtes Interesse daran haben, darin zu lesen.

Wie hilft meine Spende?

Spenden finanzieren die Ausbildung von Kleingruppenleitern, das Bibelkursmaterial und Bibeln für die Teilnehmenden. Dadurch entstehen weltweit neue Philippus-Gruppen, in denen Menschen Gott und sein Wort kennenlernen können. Viele suchende Nicht- oder Andersgläubige laden dadurch Jesus in ihr Leben ein. Christen werden ausgerüstet, in echter Jesus-Nachfolge zu leben. Ihre Unterstützung ermöglicht diese tiefgreifende Veränderung.

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01.11.2023

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