Ruth: Von der Mülldeponie auf die Kanzel

Ruth Blandford aus Nicaragua wuchs in einer von Gewalt zerrütteten Familie auf. Ihr Vater war Kapitän und konnte seiner Familie ein gutes Leben bieten, aber die Gewalt gegen seine Frau zerstörte ihr Zuhause. Nach der Scheidung ihrer Eltern wurden Ruth und ihre Schwestern rebellisch, flüchteten sich in Alkohol, Partys und  One-Night-Stands. So versuchten sie, die Leere zu füllen, die die Abwesenheit ihres Vaters hinterlassen hatte – vergeblich. Eines Tages lud Ruths Tante Greta sie ein, mit ihr einen Gottesdienst zu besuchen. „Sie sagte mir: Ruth, die besten Ehemänner findest du in der Kirche”, erzählt Ruth lachend und gibt zu, dass sie anfangs nur in die Kirche ging, um einen guten Mann zu finden. Tatsächlich wurde sie fündig, heiratete und bekam fünf Kinder. Der Glaube gehörte zu ihrem Leben dazu; sie fing sogar an, in der Gemeinde mitzuarbeiten, aber eine persönliche Beziehung zu Gott hatte sie nicht.

Ruth füttert ihre Hühner
Heute wohnt Ruth in einem richtigen Haus mit einem kleinen Hühnerverschlag im Innenhof.
Leben auf der Mülldeponie

Eines Tages erhielt ihr Mann erhielt ein Jobangebot in Kanada. Als ganze Familie ließen sie alles zurück, um nach Managua, der Hauptstadt Nicaraguas, zu ziehen und die Papiere vorzubereiten. Doch die Visa wurden nicht genehmigt. Arbeitslos in einer fremden Stadt war das Ersparte schnell aufgebraucht. Damals vergab die Regierung Nicaraguas Grundstücke auf der Mülldeponie an arme Familien und ließ sie Hütten aus Abfall und Pappe bauen. Ruths Familie meldete sich in ihrer Verzweiflung an, um ein Stück Land zu erhalten. „Als sie mir das Land gaben, schloss ich einen Pakt mit Gott. Ich sagte: ‚Wenn du existierst und meine Familie wiederherstellst, werde ich dir mein ganzes Leben lang dienen‘“, erzählt Ruth. Und tatsächlich: Ruth lernte Gott als einen guten Vater kennen, der sich um sie kümmert. Sie fing an, auf dem Markt zu arbeiten und ihr Mann bekam einen Job in der amerikanischen Botschaft. Sechs Monate später gewährte die Bank ihnen einen Kredit für den Kauf eines Hauses, so dass sie nicht mehr auf der Mülldeponie leben mussten.

Ruth löst ihren Pakt mit Gott ein

„Als sie uns das Haus übergaben, erinnerte ich mich an das Versprechen, das ich Gott gegeben hatte, und gründete eine Bibelstudiengruppe in meinem Haus“, sagt Ruth. Sie lud die Nachbarn ein und alle sagten ihre Teilnahme zu. Die Zeit verging, aber niemand kam. Sie spürte, dass Gott sie rief, mit ihrer Familie zu starten. Das tat sie: Gemeinsam als Familie begannen sie Bibel zu lesen. Am folgenden Samstag war sie überrascht, als einige Nachbarn kamen. Jede Woche kamen weitere hinzu. Mit der Zeit entstand daraus eine ganze Gemeinde. Immer wieder versuchte Ruth, sich bei einer Bibelschule oder einem Seminar einzuschreiben, aber sie wurde abgelehnt, weil sie eine Frau ist. Doch Ruth wusste: Gott kümmert sich nicht um Geschlecht, sozialen Status, Titel oder Nationalität. Er sieht das bereitwillige Herz und handelt.

„Die Bibel Liga ist die Antwort auf meine Gebete“

2020 wurde Ruth von einem befreundeten Pastor eingeladen, an einem Gemeindegründertraining der Bibel Liga teilzunehmen. „Ab dem ersten Tag, an dem ich zum Training kam, war ich begeistert. Bei der Bibel Liga fand ich das, was ich schon immer lernen wollte: andere in Jüngerschaft anzuleiten.“ Ruth führte Philippus-Gruppen in ihrer Gemeinde ein und die Zahl der Mitglieder stieg an. „Ich habe Frauen und Männer darin geschult, selbst Bibelgruppen zu leiten. Jeder versteht sich als Missionar“, erklärt sie ihre Vorgehensweise.

Ruth predigt vor ihrer Gemeinde
Ruths Gemeinde heute
Ein persönliches Wunder

Was Ruth am meisten berührte, war zu sehen, wie Gott das Herz ihres Vaters veränderte. „Ich hätte nie gedacht, dass mein Vater Jesus als Herrscher anerkennen würde. Unsere Beziehung war durch das, was er getan hatte, zerstört. Doch dann forderte Gott mich auf, mit ihm das Johannesevangelium gemeinsam zu lesen“. Wider Erwarten ließ ihr Vater sich darauf ein. „Eines Tages sagte er: ‚Ich möchte Jesus annehmen‘“, erzählt Ruth mit Tränen in den Augen. In seinem Reden und Handeln beobachtet Ruth eine deutliche Veränderung. „Die Bibel Liga ist die Antwort auf meine Gebete gewesen“, sagt sie. „Durch die Philippus-Materialien haben viele Menschen Jesus kennengelernt. Ich bin all den Menschen sehr dankbar, die es möglich gemacht haben, dass ich das Gemeindegründertraining besuchen konnte und für die vielen Bibeln und Kursmaterialien. Vielen Dank!“

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Vom Verstoßenen zum Gemeindegründer

Mahendra war in einem buddhistischen Elternhaus aufgewachsen. Wie bei vielen Menschen in seinem Dorf in Indien war sein Leben davon bestimmt, sich ein gutes Karma zu erarbeiten. Als Verwandte ihm vom Evangelium erzählten, lehnte Mahendra entschieden ab. Doch seitdem gab es da diese leise Stimme Jesu, die in ihm widerhallte: „Hast du einen Platz für mich in deinem Herzen?“ Nach langer innerer Zerrissenheit lautete seine Antwort „Ja“.

Wegen seines Glaubens verstoßen

Seine Entscheidung für Jesus blieb nicht ohne Folgen. Er wurde aus seinem Dorf vertrieben, denn die Abwendung vom buddhistischen Glauben war vielen ein Dorn im Auge. Monatelang lebte er auf der Straße ohne Essen und einem Dach über dem Kopf. Ein Missionar half ihm schließlich und Mahendra schloss sich seinem Dienst an und besuchte ein Bibelseminar.

Mahendra mit seinen zwei Söhnen
Geistlicher Aufbruch

Jahre später kehrte er in sein Dorf zurück, um das Evangelium zu predigen. Konversion ist noch immer mit politischer und sozialer Ablehnung verbunden. Dennoch gibt es mittlerweile in jeder Stadt seines Bezirks eine Gemeinde. Das war noch vor wenigen Jahren unvorstellbar. 

Heute leitet Mahendra selbst eine Gemeinde und bildet im Rahmen des Gemeindegründertrainings der Bibel Liga andere Leiter aus. Immer wieder begegnet Jesus Menschen auf unterschiedliche Weise. Und täglich fragt Jesus seine Nachfolger: „Hast du einen Platz für mich in deinem Herzen?“ Und jeden Tag aufs Neue lautet Mahendras Antwort: „Ja, Herr.“

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